Bevor man ihn sieht, hört man ihn. Das Knattern des Vespacar, vor allem aber das laute und aufrichtige Lachen kündigen Pepes Eintreffen schon von Weitem an. Als er sein Wägelchen vor dem Grotto America parkiert, reicht ihm Signore Buvoli senior ein gut gefülltes Glas Rotwein durch die halb geöffnete Scheibe. Während der Patron die Gäste in Empfang nimmt, schmeisst Dado, sein jüngster Sohn, im Hintergrund den Laden. 

Die traditionsreiche Gaststätte am Ufer der Maggia ist seit Jahren Familiensache. Alle drei Söhne von Augusto Buvoli sind ehemalige Snowboardprofis. In seinem ersten Buch, «Ticino ti cucino», widmet Pepe ihnen ganze 20 Seiten – Ehrensache. Sport und Essen gehören für ihn zum Tessin und zu seinem Leben wie die Berge und der See.

Pepe, der Urtessiner, gehört nämlich zu den Snowboard-Pionieren der italienischen Schweiz – heute ist er Chef-Coach des Snowboard-Nationalteams. Auch dank ihm holte Iouri Podladtchikov 2014 Gold in Sotschi. Doch Pepes grösstes Ziel war nie die Olympiamedaille, für ihn war der Team-Geist immer wichtiger – wie auch seine Liebe zu gutem Essen.

Grotto America Aussenansicht
Der Name Grotto rührt von natürlichen Felshöhlen, Grotten, her, in denen früher Salami, Käse und Wein gelagert wurden.
Grosse Tessiner-Platte
Im Grotto America pflegten sich die Ticinesi ein letztes Mal zu stärken, bevor sie via Genua ins ferne Amerika auswanderten.

«Ticino ti cucino» ist eine Sammlung von Originalrezepten und kulinarischen Geschichten aus dem Tessin. Es entstand, als Pepe seine Freundin Juliette in die italienische Schweiz einführte. Die Fotografin war so begeistert, dass sie über all diese einzigartigen Orte und Menschen eine Fotoreportage machen wollte. Eine der ersten Reisen führte sie im Winter ins Verzascatal. Während draussen der Schnee meterhoch auf den Dächern lag, folgten sie dem süssen Duft hinab in Eros Mellas Backstube. Fasziniert von der natürlichen und authentischen Weise, wie der Dinkelbäcker arbeitet, beschlossen die beiden, ihre Spurensuche weiterzuführen und mit Hilfe ihres Freundes Fabio Corfù insgesamt elf solche Geschichten zu veröffentlichen. Der unerwartete Erfolg des Buchs machte auch die skeptischen Einheimischen hellhörig. Plötzlich wollten alle ihre Geschichte erzählt haben. So entstand «Famiglia nostrana», ein Wegweiser durch das ursprüngliche Tessin.

Das Essen, der Sport und die Natur waren mir schon immer wichtig.

Pepe Regazzi

Lago Maggiore

Das Essen, der Sport und die Natur waren Pepe schon immer wichtig. Deshalb ging er während seiner Ausbildung zum Elektroingenieur für eine Saison als Snowboardlehrer nach St. Moritz. Aus der Saison wurden zehn Jahre und schlussendlich eine ganze Karriere. Seit er Chefcoach ist, versucht er, das Bewusstsein für Ernährung auch an seine Athleten weiterzugeben. Für Pepe spielen beim Snowboarden nicht nur die physische und die mentale Balance eine zentrale Rolle, sondern auch das Gleichgewicht beim Essen. Er lässt seine Athleten an Wettbewerben bewusst nicht mehr in Hotels übernachten, sondern kocht und isst gemeinsam mit ihnen in gemieteten Wohnungen. Damit trägt Pepe die Tessiner Kultur nicht nur in sich, sondern auch ein Stück weit in die Welt hinaus.

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